Metanalyse von fünf europäischen Studien

Barbara Isensee und Reiner Hanewinkel vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung IFT-Nord in Kiel werteten fünf Studien aus zur Auswirkung von Schulklassenwettbewerben auf das Rauchverhalten. Die fünf Studien aus Deutschland, Finnland und den Niederlanden erfüllen strenge Anforderungen an die Methode solcher Befragungen und umfassen mehr als 16’000 Schülerinnen und Schüler. Die Auswertung zeigt, dass 12 bis 24 Monate nach Ende des Wettbewerbs die Jugendlichen ein signifikant tieferes Risiko haben zu rauchen. Pro 23 Personen oder etwa einer teilnehmenden Schulklasse wird ein Fall für eine Dauer von ein bis zwei Jahren verhindert.

Fachartikel (in Englisch): Barbara Isensee, Reiner Hanewinkel, Meta-Analysis on the Effects of the Smoke-Free Class Competition on Smoking Prevention in Adolescents, in: European Addiction Research 2012; 18: 110-115 www.karger.com/Article/Abstract/335085.

 

Studie aus der Schweiz

Eine Forschungsgruppe von Sucht Schweiz untersuchte im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention zwei Fragen: Erhöht die Teilnahme einer Schulklasse am Experiment Nichtrauchen das Wissen über das Rauchen? Senkt eine Teilnahme die Anzahl der rauchenden Schülerinnen und Schüler? Als Vergleich dienten Klassen, die beim Wettbewerb nicht mitmachten.

Wenn eine Klasse das Experiment Nichtrauchen erfolgreich abschliesst, nimmt das Wissen über den Tabak zu. Hinsichtlich des Rauchens ist zu unterscheiden zwischen Klassen ohne rauchende Schülerinnen und Schüler und Klassen, in denen bereits einige Kolleginnen und Kollegen rauchen. In Klassen ohne rauchende Vorbilder liegt der Anteil rauchender Jugendlicher nach erfolgreichem Abschluss des Wettbewerbs signifikant tiefer als in den Kontrollgruppen. In Klassen mit rauchenden Schülerinnen und Schülern jedoch liegt deren Anteil nach erfolgreichem Abschluss sogar höher als in den Kontrollklassen.

Daraus ziehen die Forschenden von Sucht Schweiz folgenden Schluss: Das Experiment Nichtrauchen sollte möglichst früh beginnen, zu einem Zeitpunkt, in dem es wahrscheinlich in einer Klasse noch keine rauchenden Vorbilder hat.

Fachartikel (in Englisch): Stephanie Stucki, Emmanuel Kuntsche, Aurélie Archimi, Sandra Kuntsche, Does smoking within an individual's peer group affect intervention effectiveness? An evaluation of the Smoke-Free Class Competition among Swiss adolescents, in: Preventive Medicine 2014; 65: 52–57  www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0091743514001492.

 

Befragung von Lehrerinnen und Lehrern 2014

Raquel Paz Castro und Severin Haug vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF in Zürich führten Ende des Experiments Nichtrauchen 2013/14 bei 1299 Lehrpersonen eine schriftliche Befragung durch. Die Rücklaufquote betrug 82 Prozent. Wichtige Ergebnisse sind:

  • Für 68 Prozent der Lehrpersonen hilft der Wettbewerb, den Rauchbeginn bei den 11- bis 16-Jährigen zu verzögern. Für 55 Prozent nutzt er den Gruppendruck in einer Schulklasse auf positive Weise. Für 49 Prozent lässt sich dadurch das Thema Rauchen im Unterricht attraktiver behandeln. Dies sind die wichtigsten Stärken des Experiments Nichtrauchen aus Sicht der Lehrpersonen.
  • 85 Prozent fanden es sinnvoll, dass sich auch Klassen mit einigen wenigen rauchenden Jugendlichen am Wettbewerb beteiligen können (Teilnahmekategorie B).
  • 99 Prozent der Lehrpersonen von Klassen ohne gemeldeten Abbruch und 91 Prozent der Lehrpersonen von gemeldeten Abbruchklassen verneinten die Frage, ob es in der Klasse wegen des Experiments Nichtrauchen zu negativen Auswirkungen gekommen sei.
  • 72 Prozent der Lehrpersonen widmeten dem Thema Rauchen mindestens zwei Lektionen, 33 Prozent vier oder mehr Lektionen (diese Angaben beziehen sich nur auf die Deutschschweiz und das Tessin).
  • Die wichtigsten thematischen Schwerpunkte waren: gesundheitliche Probleme wegen Aktivrauchen (69 Prozent), Gruppendruck, der zum Rauchen führen kann (59 Prozent), Abhängigkeit, die durch das Rauchen entsteht (50 Prozent), Passivrauchen (28 Prozent), Tabakwerbung (17 Prozent), umstrittene Praktiken der Tabakindustrie wie die Beimischung von Zusatzstoffen (10 Prozent) und wie man vom Rauchen loskommen kann (5 Prozent) (diese Angaben umfassen die ganze Schweiz)

 

 Forschungsbericht: Raquel Paz Castro, Severin Haug, Schulklassen-Wettbewerb: Experiment Nichtrauchen 2013/14. Ergebnisse einer schriftlichen Befragung der Lehrpersonen in Teilnehmerklassen, im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention, Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) Zürich, 20. November 2014

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